Austernpilze auf Holz kultivieren
Der Austernpilz ist ein saprophytischer, essbarer Pilz, das heißt, er entwickelt sich auf totem organischem Material, in diesem Fall Holz. Er wächst in Büscheln oder Trauben von Fruchtkörpern (der sichtbare Pilz) übereinander, die auf einem holzigen Substrat befestigt sind. Die Hüte haben eine fächer- oder austerförmige Form, daher sein Name "Austernpilz". Ihre Farbe variiert stark je nach Art und Kulturbedingungen, von graublau bis hellbraun, über rosa, gelb oder weiß. Die hellen Lamellen sind herablaufend (verlaufen am Stiel entlang). Der Stiel, normalerweise kurz und exzentrisch, ist faserig. Sein Fleisch ist zart und duftend, mit einer angenehmen Textur nach dem Kochen.
Artikelübersicht
Ein wenig Geschichte über den Austernpilz
Lateinischer Name: Pleurotus
Ordnung: Agaricales
Familie: Pleurotaceae
Gattung: Pleurotus
Art: Mehrere Arten werden kultiviert
Die Geschichte des Austernpilzes
Austernpilze sind kosmopolitische Pilze, die natürlich in gemäßigten und subtropischen Wäldern auf der ganzen Welt vorkommen, wo sie eine Schlüsselrolle beim Holzabbau spielen. Ihr Anbau begann Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland, während des Ersten Weltkriegs, als Nahrungsquelle. Danach entwickelte er sich massiv in Asien, insbesondere in China und Japan, bevor er in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts den Westen erreichte. Heute ist der Austernpilz neben dem Champignon einer der am häufigsten angebauten Pilze der Welt.
Etymologie
Pleurotus kommt vom altgriechischen "pleuron" (Seite, Flanke) und "otos" (Ohr) und bezieht sich auf das seitliche Wachstum des Hutes im Verhältnis zu seiner holzigen Unterlage, das an ein seitlich befestigtes Ohr erinnert. Der Begriff "Pleurote" ist eine direkte Französierung der lateinischen Gattung.
Synonyme und andere Namen: Austernseitling (für P. ostreatus), Oyster mushroom (englisch), Shiimeji (für bestimmte asiatische Sorten).
Geschmack
Der Austernpilz hat einen zarten, leicht holzigen, manchmal süßen Geschmack, der an Unterholz erinnert. Seine Textur ist nach dem Kochen fleischig und weich.
Nährwerte
Der Austernpilz ist ein sehr kalorienarmer Pilz (ca. 25-35 kcal pro 100g) und reich an Wasser. Er ist eine gute Quelle für pflanzliches Eiweiß, Ballaststoffe, B-Vitamine (B2, B3, B5), Kalium, Phosphor und Eisen. Er enthält auch Antioxidantien.
Anekdoten
Der Anbau von Austernpilzen ist ein hervorragendes Beispiel für die Verwertung von organischen Abfällen, da er geringwertige Substrate wie Stroh oder Holz verwendet. Es ist ein Pilz, der für seine Fähigkeit bekannt ist, bestimmte Schadstoffe biologisch zu sanieren. Einige Arten von Austernpilzen sind fleischfressend! Sie produzieren Toxine, die in der Lage sind, kleine Nematoden (Fadenwürmer) im Holz zu lähmen und zu verdauen, was ihnen eine zusätzliche Stickstoffzufuhr verschafft. Der Austernpilz hat auch in der Mykotherapie anerkannte medizinische Eigenschaften, insbesondere seine Wirkung auf das Immunsystem.
Wichtigste Unterarten und Sorten
- Der Austernseitling (Pleurotus ostreatus) ist der häufigste und zeichnet sich durch seine grauen bis braunen Farbtöne aus. Er ist sehr produktiv und anpassungsfähig.
- Der Lungen-Austernpilz (Pleurotus pulmonarius) ist eine hellere Sorte, oft weiß oder cremefarben, geschätzt für seine zarte Textur und sein schnelles Wachstum bei mildem Wetter.
- Der Rosafarbene Austernpilz (Pleurotus djamor oder P. salmoneostramineus) ist sehr dekorativ mit seiner leuchtenden Farbe und bietet einen milden Geschmack. Er bevorzugt wärmere Klimazonen.
- Der Gelbe Austernpilz (Pleurotus citrinopileatus) zeichnet sich durch seine leuchtend gelben Hüte und einen intensiveren Geschmack aus, mit schnellem Wachstum unter warmen und feuchten Bedingungen.
- Der Riesenausternpilz (Pleurotus cornucopiae) hat eine trichterförmigere Form und eine hellere Farbe.
Wie man Austernpilze anbaut
Technische Informationen
- Schwierigkeitsgrad: 2 (leicht bis mittelschwer)
- Dichte: Variabel je nach Technik. Für einen Baumstamm, Beimpfung von 10-20 Dübeln pro Baumstamm.
- Lebenszyklus: Mehrjährig (das Myzel bleibt mehrere Jahre im Holz)
- Vermehrungsart: Hauptsächlich vegetativ durch Beimpfung von Myzel (Samen). Sporen werden im Labor verwendet.
Klima und Boden
- Klimazone und Winterhärte: Passt sich an viele gemäßigte Klimazonen an. Die Winterhärte hängt von der Austernpilzart ab.
- Bodentyp: Nicht zutreffend (Wachstum auf Holz). Der Boden um ihn herum sollte frisch und feucht sein.
- pH-Wert: Nicht zutreffend (Wachstum auf Holz).
- Feuchtigkeit: Essenziell. Myzel und Pilze benötigen eine hohe Umgebungsfeuchtigkeit (70-90%). Das Holz muss feucht bleiben.
Exposition: Heller Schatten oder Halbschatten. Keine direkte Sonneneinstrahlung.
Temperatur:
Inkubation: 18-25°C für die Myzelentwicklung.
Fruchtbildung: Variabel je nach Art (z.B. P. ostreatus 10-20°C, P. djamor 20-30°C).
- Frostbeständigkeit: Das Myzel des Austernseitlings (P. ostreatus) ist frostbeständig, was Fruchtbildungen nach Kälteperioden ermöglicht.
Wie gelingt die Pflanzung?
- Pflanzzeit (Inokulation): Idealerweise im Frühjahr (März-Mai) oder Herbst (September-Oktober), wenn die Temperaturen mild sind und das Myzel sich stressfrei entwickeln kann.
- Pflanzart: Beimpfung von Baumstämmen oder Holzscheiten mit Dübeln oder Pilzbrut.
- Notwendigkeit einer Kältebehandlung: Bei einigen Arten ist ein Temperaturschock (winterliche Kälte) notwendig, um die Fruchtbildung (Pilzsprießen) einzuleiten.
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Einweichen: Baumstämme vor der Inokulation einweichen, falls sie trocken sind. Ein Einweichen der Baumstämme wird oft vor jeder "Pilzernte" empfohlen.
Abstand:- Auf dem Stamm: Dübel im Abstand von 10 bis 15 cm versetzt anbringen.
- Zwischen den Stämmen: Genügend Platz für Luftzirkulation und Ernte lassen.
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Pflanztiefe: Die Myzel-Dübel vollständig in die in den Baumstamm gebohrten Löcher einführen.
Zeit bis zum Austrieb: Die Zeit bis zur Besiedlung des Holzes durch das Myzel (Inkubation) variiert je nach Art, Größe des Baumstamms und Temperatur zwischen 6 und 18 Monaten. Die erste Ernte findet nach dieser Periode statt. -
Standorte und Bedingungen:
- Unter Schutz: Im Gewächshaus oder in temperierten Räumen für eine kontrolliertere Produktion möglich.
- Freiland: Die Baumstämme können im Freien an einem schattigen und windgeschützten Ort platziert werden, halb eingegraben oder auf Stützen gelegt.
Pflege und Wartung der Kulturen
- Holzvorbereitung: Verwenden Sie gesundes Holz, ohne Schimmel oder Krankheiten, frisch geschnitten.
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Bewässerung:
Häufigkeit: Das Substrat (Holzstamm) ständig feucht halten, ohne es zu durchnässen. Bei trockener Witterung, insbesondere während der Fruchtungsperioden, die Holzstämme regelmäßig gießen oder einweichen.
Menge: Ausreichend, um das Holz zu befeuchten.
Zeitraum: Während der gesamten Inkubations- und Fruchtungsphase.
Jäten: Die Umgebung um die Holzstämme sauber halten, um Konkurrenz durch andere Organismen zu vermeiden.
Mulchen: Eine Mulchschicht um die Holzstämme kann helfen, die Umgebungsfeuchtigkeit zu erhalten.
Winterschutz: Für kälteempfindliche Arten die Holzstämme vor starkem Frost schützen. Die meisten gewöhnlichen Austernpilze sind recht widerstandsfähig.
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Ernte
- Pflanzenteil: Die Fruchtkörper (Austernpilze).
- Zeitraum: Nach der Inkubationsphase können Austernpilze in "Wellen" mehrmals im Jahr, in der Regel im Frühjahr und Herbst, 3 bis 5 Jahre lang Früchte tragen.
- Stadium: Pilztrauben ernten, wenn die Hutränder beginnen, sich abzuflachen, aber bevor sie sich vollständig umdrehen und ihre Sporen freisetzen. Die Trauben mit einem sauberen Messer an der Basis abschneiden.
- Durchschnittlicher Ertrag: Ein Austernpilzstamm kann über mehrere Jahre 10 bis 20 % seines Gewichts an frischen Pilzen produzieren.
Anbautechniken
Fruchtwechsel
Ein Austernpilzstamm produziert 3 bis 5 Jahre lang, bevor er erschöpft ist. Danach müssen neue Stämme an einem anderen Ort verwendet oder das Substrat ersetzt werden.
Technische Handgriffe
Inokulation: Löcher in frische (weniger als 3 Monate nach dem Schnitt) Laubhölzer (Pappel, Weide, Buche, Eiche, Esche usw.) bohren, Myzel-Dübel einsetzen und mit Bienenwachs oder Paraffin versiegeln, um das Myzel zu schützen.
Inkubation: Die Holzstämme während der Kolonisierungsphase an einem dunklen, feuchten Ort mit konstanter Temperatur (Keller, Garage, Unterholz) lagern.
Stimulierung der Fruchtbildung: Nach der Kolonisierung kann ein Temperaturschock (Einweichen der Holzstämme in kaltem Wasser für 24 Stunden oder Exposition gegenüber kühleren Temperaturen) das Pilzwachstum einleiten.
Aufbewahrung und Lagerung
- Aufbewahrungsart: Austernpilze werden im Kühlschrank aufbewahrt, vorzugsweise in einer Papiertüte, da sie keine stehende Feuchtigkeit mögen.
- Lagerdauer: 3 bis 7 Tage im Kühlschrank.
- Einfrieren: Eine ausgezeichnete Option nach dem Blanchieren für einige Minuten in kochendem Wasser.
- Verarbeitung: Getrocknet (vor Gebrauch rehydrieren), in Konserven, als Pulver.
Verwendung des Austernpilzes
- Kulinarisch: Der Austernpilz ist in der Küche sehr vielseitig:
- Gebraten: Einfach in der Pfanne mit Knoblauch und Petersilie.
- In Sauce: Passt perfekt zu Fleisch (Wild, Geflügel), Fisch.
- Suppen und Cremesuppen: Verleiht einen delikaten Umami-Geschmack.
- Beilage: Für Omeletts, Quiches, Risottos, Pasta.
- Gebraten oder gegrillt: Die Textur eignet sich gut für diese Zubereitungsarten.
- Sonstiges: Austernpilze werden auf ihre Eigenschaften zur Mykoremediation (Abbau und Entgiftung bestimmter Substrate) hin untersucht.
Tipps und Tricks
Verwenden Sie immer frisches und gesundes Holz zur Inokulation.
Sorgen Sie für eine ausgezeichnete Umgebungs- und Substratfeuchtigkeit, das ist der Schlüssel zur Fruchtbildung.
Nach dem Austrieb der Pilze den Standort gut belüften, um eine CO2-Anreicherung zu vermeiden, die zur Bildung kleiner Hüte und langer Stiele führen würde.
Die Pilze niemals mit Wasser waschen, sondern vorsichtig bürsten.
Das ideale Substrat für Austernpilze sind Harthölzer wie Eiche, Buche, Esche, aber Pappel oder Weide sind auch sehr gute Optionen, da sie schneller besiedelt werden.
Krankheiten und Schädlinge des Austernpilzes
Krankheiten
Schädlinge
Konkurrierende Schimmelpilze: Grüne (Trichoderma), schwarze oder weiße Schimmelpilze können sich entwickeln, wenn die Inokulation schlecht durchgeführt wird oder wenn die Umgebung zu feucht und nicht ausreichend belüftet ist.
Bakterielle Fäule: Wenn die Pilze zu feucht und schlecht belüftet sind, können schleimige Flecken auftreten.
Schnecken: Sehr beliebt bei jungen Austernpilzen.
Pilzmücken (Trauermücken): Ihre Larven können Gänge in die Pilze graben.
Mäuse und Wühlmäuse: Können das Myzel der Holzstämme angreifen.